FACK JU GÖHTE (München): Das beste deutsche Musical seit … jemals?

Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ausgerechnet eine von Stage Entertainment produzierte Musical-Adaption von Fack ju Göhte unsere deutsche Antwort auf Hamilton sein würde, hätte ich lachend geantwortet: „Guter Witz.“ Tja, eins zu null für dich, Stage Entertainment. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Als letztes Jahr die Uraufführung von Fack ju Göhte in München angekündigt wurde, war die Skepsis groß. Viel größer aber war letztendlich die Begeisterung, mit der dieselben Zweifler nach der Premiere von dem Bühnengeschehen berichteten. Ein Blick auf die unfassbar guten Zuschauerbewertungen bei Facebook und in der Musicalzentrale zeigt, dass Fack ju Göhte ein Musical ist, auf das sich vom leidenschaftlichen Musicalfan bis zum bekennenden Feind des Genres erstaunlicherweise alle irgendwie einigen können.

© Stage Entertainment

Auch mir hat die Produktion bei einem Besuch in München wenige Wochen vor der Dernière vollkommen die Sprache verschlagen. Dabei hatte auch ich im Vorfeld große Bedenken. Den ersten Film fand ich bei seiner Veröffentlichung unterhaltsam, aber das ist auch schon wieder fünf Jahre her – in unserem schnelllebigen Zeitalter ein nicht zu unterschätzendes Intervall. Der Humor mag 2013 voll ins Schwarze getroffen haben, aber was können wir über seine Zeitlosigkeit sagen? Ob Bora Dagtekins Filmkomödie sehr schnell in die Jahre kommen wird oder doch als Klassiker die Zeiten überdauert, wird sich zeigen. Zumindest einen temporären Kultstatus hat der Film, der sich 2013 dank ikonisch codierter Zitate und Figuren schnell zum Phänomen entwickelte, allemal erreicht.

Wenn ich sage, dass Fack ju Göhte das beste deutsche Musical aller Zeiten ist, meine ich nicht zwangsläufig „deutschsprachig“ – Eigenproduktionen der Vereinigten Bühnen Wien wie Elisabeth lasse ich in dieser Aussage außen vor. Zudem macht mir ein Blick auf die Liste der Nominierten für den Deutschen Musical Theater Preis 2018 bewusst, wie viel Kreativität und Eigenentwicklung an so vielen Stellen in der deutschen Musicalszene passiert, mit denen ich mich dringend noch viel mehr aktiv beschäftigen sollte. Wie dem auch sei – wenn ich darüber nachdenke, wann ich vor Fack ju Göhte ein in Deutschland entwickeltes und uraufgeführtes Musical gesehen habe, das musikalisch so innovativ gestaltet ist und dem Publikum gleichzeitig so sehr in die Fresse gibt, muss die Antwort lauten: noch nie.

© BrauerPhotos/Dominik Beckmann für Stage Entertainment

Schon das Betreten des urbanen Werksviertels ließ mein Herz höher schlagen. Das ist genau meine Art von Spielstätte. Vom WERK7 – dem ehemaligen Kartoffellager der Pfanni-Werke, von Stage Entertainment für knapp 6 Millionen Euro zu einem Theater umgebaut – geht der Charme einer hippen Fringe Venue im Londoner Off-West End aus. Fack ju Göhte integriert sich optimal in dieses Umfeld – von der industriellen Architektur über den Snack-Fotoautomaten im Foyer bis zu den mit Graffiti und Edding aufgepimpten Schultoiletten verspricht hier schon vor Showbeginn alles ein immersives Theatererlebnis.

Endlich hatte ich bei einer deutschen Großproduktion wieder das Gefühl, dass auf mich als junger Zuschauer preislich vollkommen eingegangen wurde. Für 29,90 Euro saß ich mit einem YoungTicket, das ich vorher regulär online im Saalplan buchen konnte, in der besten Sitzplatzkategorie. Das liebevoll gestaltete Programmheft inklusive Cast-Jahrbuch bekam ich für 9,50 Euro. (Bei Ghost in Berlin vor zwei Wochen bezahlte ich noch das Doppelte.) Endlich hat Stage Entertainment all unsere jahrelangen Wünsche erhört – eine Off-Location zu fairen Preisen, in dem ein musikalisch modernes und innovatives Stück gezeigt wird – und dann stößt das Projekt leider nicht auf die gebührende Resonanz. Wenn irgendein Musical es verdient, allabendlich vor ausverkauftem Haus zu spielen, dann ist es Fack ju Göhte.

© BrauerPhotos/Dominik Beckmann für Stage Entertainment

Das Online-Marketing der Produktion ist in Jugendsprache gehalten. Vor der Premiere fragte ich mich noch, ob das ein gutes Zeichen ist oder ob man die Zielgruppe, die damit erreicht werden soll, nicht vielleicht sogar abschreckt. Das kann sich bei allen noblen Absichten, die ich überhaupt nicht diskreditieren möchte, schnell ganz dicht an der Grenze zum krampfhaft Bemühten und Gezwungenen bewegen. Aber was auf der Bühne des WERK7 passiert, wirkt absolut gar nicht gezwungen. Nicht mal ansatzweise. Das Stück ist verdammt geil.

Der Humor hätte viel zu leicht ins Peinliche und Aufgesetzte abrutschen können. Das Risiko war derart hoch, dass ich es einfach nur unfassbar finde, wie organisch und authentisch das Endprodukt in allen Belangen geworden ist. Die Schüler dabben, sagen „Ey çüş“ und auf der Goethe-Gesamtschule wissen Chabos halt, „wer der Burak ist“. Keine Spur von der alljährlichen Irritation, die die Liste der Nominierten für das Jugendwort des Jahres hervorruft, die von der Lebenswirklichkeit deutscher Teenager nicht weiter entfernt sein könnte. Bei Fack ju Göhte war definitiv das richtige Team am Werk.

© Stage Entertainment

Der Theatersaal des WERK7 erinnert in seinem Aufbau an eine Turnhalle, in der die Zuschauer im 180°-Winkel um die Spielfläche sitzen. Auf dem Boden befinden sich Spielfeldmarkierungen und an der Wand, hinter der die fünfköpfige Band platziert ist, hängt ein Basketballkorb. Auch die Plastiksitze passen perfekt in das Bild einer Aula, in der die Theater-AG der Goethe-Gesamtschule gleich ihre Schulproduktion aufführen wird. Das ist so ein konsequent durchdachtes Konzept, dass mich der Sitzkomfort während der knapp dreistündigen Show kein einziges Mal störte. Wenn ich bequeme Polstersitze will, gehe ich halt in König der Löwen. Für Fack ju Göhte passt die Bestuhlung wie Faust aufs Auge.

Kennt ihr das Meme mit der Vietnamkrieg-Flashback-Katze? So erging es mir, als die ersten Turngeräte hereingeschoben wurden. Sofort wurden Erinnerungen an meinen absoluten Albtraum, den Sportunterricht, wach. Wer mich foltern will, beamt mich zurück in eine Doppelstunde Sport in der 10. Klasse. Das Einzige, was in meiner Erinnerung noch schlimmer ist: Schwimmunterricht. Fack ju Göhte hat es tatsächlich geschafft, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben dachte: „Schwimmunterricht, das sieht doch eigentlich nach einer Menge Spaß aus. Hätte ich auch mal wieder Lust drauf.“ Das muss man erst mal hinbekommen, vor allem noch ohne einen einzigen Tropfen Wasser auf der Bühne.

© Stage Entertainment

Nicht nur die Schwimmbadszene („Kaltes Wasser“, hartnäckigster Ohrwurm meines Lebens) strotzt vor Innovativität. Klar kann man bei einer Großproduktion mit Drehbühne und Schnürboden eine riesige Kulissenschlacht auffahren, aber kleine Locations mit Einheitsbühnenbild bergen meiner Meinung nach ein viel größeres Potenzial für kreative Inszenierungsansätze, die nachhaltig beeindrucken. Was der Bühnenbildner Andrew D. Edwards durch den cleveren Einsatz von Turngeräten mit wenigen Mitteln erreicht, ist pure Theaterkunst. Christoph Drewitz ist eine temporeiche Inszenierung mit flüssigen Übergängen gelungen. Das einfallsreiche Staging wird unterstützt von Fredrik „Benke“ Rydmans dynamischen Choreografien. (Der schwedische Künstler machte in den letzten Jahren vor allem durch seine modernen Tschaikowsky-Reloaded-Tourneen und verschiedene Beiträge beim Eurovision Song Contest auf sich aufmerksam.)

Wie gekonnt der Lichtdesigner Richard Howell alle Möglichkeiten des Raums (inklusive Boden und Seitenwänden) nutzt und was für überraschende Bilder er hiermit in vielen Szenen schafft, verdient großen Respekt. Auch der Ton (Andreas Hammerich und Michel Weber) fetzt richtig. Zwar ist in lauten Szenen nicht jedes Wort perfekt verständlich, aber es geht einfach nichts über das elektrifizierende Gefühl, wenn der Bass in „Amok“ den ganzen Körper durchdringt. Was für eine krasse Energie!

© BrauerPhotos/Dominik Beckmann für Stage Entertainment

Was bereits den Erfolg des Films erklärte und nun auch das Musical auszeichnet, ist die Tatsache, dass Fack ju Göhte an einer deutschen Schule spielt und dem deutschen Publikum so viele Identifikationsmöglichkeiten und Anknüpfungspunkte bietet.  Egal, ob auf Netflix, der Kinoleinwand oder der Musicalbühne  – Schulgeschichten bedeuten für die deutschen Zuschauer meistens automatisch High-School-Geschichten. In Teeniekomödien geht es immer um Cheerleader, Quarterbacks, Jahrbuchfotografen und anstrebende Prom Queens, die in ihrem Sophomore-Jahr To Kill a Mockingbird und The Catcher in the Rye lesen müssen und nach dem Football-Training im Diner um die Ecke bei einem Cookie-Dough-Milchshake ihre Algebra-Hausaufgaben machen, um im nächsten Test kein rot eingekreistes F zu riskieren.

Kleine gelbe Reclam-Bücher, Schweigefuchs und Kartoffeldruck – bei Fack ju Göhte müssen wir ausnahmsweise nicht erst um die transatlantische Ecke denken, um uns selbst im Geschehen zu erkennen. Die Masken, die Cro-meo und Mercu-sido in der Schulaufführung von „Romeo und Julia“ tragen, haben sie bei Kik gekauft. Beim Schulausflug wollen die Schüler „nicht schon wieder ins KZ“, sondern lieber ins Phantasialand. Wie schon der Film steckt auch das Musical voller popkultureller Referenzen, die spezifisch für unsere deutsche Kultur sind. Der beste Humor ist doch immer der, der sich nicht eins zu eins übersetzen lässt.

© Stage Entertainment

Dasselbe trifft auch auf den hervorragenden Score von Nico Rebscher, Simon Triebel (Gitarrist von Juli) und Kevin Schroeder zu. In einer Musicalzentrale-Bewertung schrieb der User AdamPascal, dass Fack ju Göhte stilistisch an Lin-Manuel Mirandas In the Heights erinnert und erstaunlicherweise dieselbe musikalische Qualität aufweist. Und es stimmt. Fack ju Göhte klingt, als hätten die Komponisten von den großen Meistern (wie Miranda und Pasek & Paul) gelernt, die gerade am Broadway das Genre revolutionieren – und das Ganze dann auf unsere spezifische Kultur mit eigenen musikalischen Referenzen übertragen.

Der Score klingt einerseits modern und andererseits spezifisch deutsch auf die beste Weise – wie ein aufregender Querschnitt durch die deutschen Charts des 21. Jahrhunderts. Durch die Partitur ziehen sich Einflüsse der gesamten Bandbreite deutscher Hip-Hop-Musik von Marteria über Sido, Mark Forster, Seeed, Cro, Alligatoah und Culcha Candela bis zu Haftbefehl, sowie Deutschpop-Balladen im Stil von Silbermond. Es überrascht nicht, dass die Autoren zuvor bereits mit Künstlern wie Tim Bendzko, Adel Tawil, Mark Forster, Jennifer Lopez, Nico Santos und Sunrise Avenue zusammengearbeitet haben. Trotz der Vielfalt verschiedener Stile wirkt der Score wie aus einem Guss.

© Stage Entertainment

Wie man es aus dem deutschen Radio gewohnt ist, reimen sich die Texte nicht immer so rein wie etwa bei einem Michael Kunze-Libretto, aber darum geht es hier überhaupt nicht. Die Lyrics sind intelligent, humorvoll und sehr ehrlich. Mal ernsthaft, wer es schafft, mich mit Zeilen wie „Wegen Ihnen nenn isch alle meine Kinder Herr Müller, wegen Ihnen les isch sogar dieses Faust von Schiller“ fast zu Tränen zu rühren, hat bei mir schon längst gewonnen. Im WERK7 hatten mich die Autoren spätestens mit „Schula, Schula“, dieser phänomenalen fünfminütigen Yoga-Halluzination, komplett in der Hand. Erinnert sich noch jemand an „A Thousand and One Nights“ aus der ersten Staffel von Smash? Ich lebe einfach für völlig abgespacte (ja, schreibt man so) Bollywood-Traumsequenzen aus heiterem Himmel.

Der beste Song des Scores ist für mich „Zeitkapsel“. Einerseits wird hier besonders gut deutlich, dass jeder Charakter mit einem individuellen Musikstil seine eigene Stimme bekommen hat. Andererseits zeigt er, wie eng in Fack ju Göhte Humor und Emotionalität miteinander verknüpft sind und dass man nicht so leicht die Grenze ziehen kann, wo der Witz aufhört und die Tiefgründigkeit beginnt. In solchen Momenten erreicht das Musical eine emotionale Komplexität, die über das Drehbuch des Films hinausgeht. Außerdem hat „Zeitkapsel“ eine schöne Metaebene. Auch Stage Entertainment saß vor einem leeren Blatt Papier und hat mit dem Stift in der Hand etwas Unglaubliches geschaffen, das ihr vielleicht niemand zugetraut hätte.

© BrauerPhotos/Dominik Beckmann für Stage Entertainment

Seit meinem Theaterbesuch läuft das Cast-Album bei mir in Dauerschleife. Es gibt dieses T-Shirt, auf dem steht: „All my thoughts have been replaced by Hamilton lyrics“. Mach daraus Fack ju Göhte. Ich kann mich auf der Arbeit überhaupt nicht konzentrieren, weil mir permanent beliebige Zeilen wie „Oh Mann, Danger, meine Haare, die zu trocknen dauert über hundert Jahre!“ im Kopf herumschwirren.

Gäbe es einen Preis für die beste Ensembleleistung, hat gerade keine Besetzung in Deutschland ihn mehr verdient als die von Fack ju Göhte. So viele talentierte junge Leute mit unverbrauchten Stimmen, frisch von der Musicalschule und voller Energie! In der besuchten Vorstellung standen Susi Studentkowski als Zeynep, Fabian Kaiser als Danger, Anthony Curtis Kirby als Burak, Robin Cadet als Jerome, Sandra Leitner als Laura und Stephanie Steffens als Charlie ihren Leinwandvorgängern in nichts nach. Mit fantastischem komödiantischem Gespür und dem absolut nicht subtilen Klebestoff-Amulett als Accessoire ist Elisabeth Ebner als Frau Gerster der heimliche Star der Show.

© Stage Entertainment

Die besuchte Vorstellung machte deutlich, wie hervorragend die beiden Hauptrollen auch in den Zweitbesetzungen gecastet sind. Silvio Römer stellt als Zeki Müller großartig unter Beweis, dass Fack ju Göhte auch völlig entkoppelt von der Persona Elyas M’Barek funktionieren kann und Elena Zvirbulis ist mit liebenswertem Spiel und perfektem Timing die absolute Idealbesetzung für Lisi Schnabelstedt. Was für eine Freude, den beiden in den gemeinsamen Szenen und auch individuell zuzusehen!

Die unangefochtene Szenenstehlerin ist aber Rebekka Corcodel als Chantal. Sie hat zugegenermaßen eine sehr dankbare Rolle, schließlich war Chantal schon im Kino der absolute Publikumsliebling. Was ihr auf der Bühne des WERK7 gelingt, nenne ich den Ethan-Slater-Effekt, denn genau dasselbe Phänomen ist jüngst am Broadway mit SpongeBob Squarepants aufgetreten: Ein Hauptdarsteller erweckt eine kultige und auch etwas alberne Leinwandfigur erstaunlich real und mit großer Herzenswärme zum Leben, wobei der Spagat zwischen perfekter Imitation und individuellem Charisma gelingt. Rebekka Corcodel gibt dem Publikum einerseits genau das, was es von der Figur erwartet, andererseits ist ihre Darbietung viel mehr als eine bloße Kopie. (Gleiches lässt sich auch für die Darsteller aller anderen Schüler der 10b sagen.)

© Stage Entertainment

Gerade erst wurde Fack ju Göhte beim Deutschen Musical Theater Preis vollkommen verdient in sieben Kategorien nominiert und laut einer neuen Pressemeldung befinden sich weitere Standorte in Planung. Das Stück verdient jede der Trophäen, schließlich soll der hier bewiesene Mut gewürdigt werden. Es ist unfassbar schade, dass das Stück in München allabendlich vor leeren Sitzreihen spielt. Die Darsteller, die sich hiervon überhaupt nicht beirren lassen, verdienen für ihre ungebremste Spielfreude die größte Anerkennung. „Ihr macht zu wenig Werbung und euer Marketing verfehlt die Zielgruppe“ lässt sich von außen immer so leicht sagen. Wie und in welchem Maße Werbung betrieben wird, ist oft von Faktoren abhängig, die man als Außenstehender überhaupt nicht kennt. Da ich nichts von den wirtschaftlichen Hintergründen weiß, bin ich auch nicht qualifiziert dazu, mir hier ein spekulatives Urteil zu erlauben. In jedem Fall finde ich, dass das Stück einen viel größeren Erfolg verdient hat. Immerhin konnte ich meine Familie rekrutieren, am Dernièrenwochenende gemeinsam mit mir in die Show zu gehen und ich freue mich unfassbar, dass ich sie kurz vor Schluss noch ein zweites Mal sehen kann.

Wenn ihr mich fragt, ist das WERK7 aus künstlerischer Sicht das wichtigste Theater, das Stage Entertainment zurzeit an der Hand hat. Die Location birgt so viel Potenzial, etwas zu wagen und neue Wege zu ergründen. Hier liegt ein Hauch von dringend herbeigesehnter Revolution in der Luft. History has its eyes on you, WERK7!

© Stage Entertainment

Als Nachfolger von Fack ju Göhte scheint Die fabelhafte Welt der Amélie festzustehen. Bisher konnte ich mit dem Broadway-Album noch nicht so recht warm werden und auf den ersten Blick erscheint das Stück mir fast schon ein bisschen zu zahm für das Werksviertel und nicht edgy genug, aber ich habe aus meiner anfänglichen Skepsis gegenüber Fack ju Göhte gelernt und lasse mich gerne eines Besseren belehren. Wir kennen das WERK7 bisher nur in seiner Fack ju Göhte-Inkarnation und können noch gar nicht beurteilen, wie wandelbar die Spielstätte ist. Zwischen der Dernière von Fack ju Göhte und der geplanten Amélie-Premiere im Februar 2019 liegen schließlich ein paar Monate, in denen man die Raumgestaltung des Geländes auf das neue Stück vorbereiten kann. Lassen wir uns überraschen.

Danke für dieses Experiment, Stage Entertainment. Danke, dass ihr das Risiko eingegangen seid, etwas auf die Bühne zu bringen, das so vollkommen gegen den Strich gebürstet ist. Ihr habt damit einen gewaltigen Beitrag zur Eigenentwicklung in Musical-Deutschland geliefert. Aus künstlerischer Sicht hat es sich voll ausgezahlt, diesen Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Und zack, schon habe ich wieder einen Ohrwurm von „Kaltes Wasser“, der mich mindestens eine Woche lang hartnäckig begleiten wird. Hier habt ihr ein paar weise Schlussworte: „W-A-Doppel S-E-R, Wasser yeah!“


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★★★★★

FACK JU GÖHTE – WERK7 Theater, München; Musik, Buch und Lyrics: Nico Rebscher, Simon Triebel, Kevin Schroeder; Regie: Christoph Drewitz; Premiere: 21. Januar 2018; rezensierte Vorstellung: 19. August 2018

2 Gedanken zu “FACK JU GÖHTE (München): Das beste deutsche Musical seit … jemals?

  1. Danke für die ausführliche Kritik und die differenzierten Wortwahl. Zu „Amelié“ habe ich gelesen, dass Stage eine ganz eigene Neuproduktion, unabhängig von der existierenden ins Werk7 bringen wird!

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  2. Wow, richtig geil der Text! Das unterschreibe ich genau so! Ich habe 3 mal Silvio als Zeki gesehen und bin begeistert! Bei der Derniere habe ich geheult wie ein Schlosshund. Ich werde dieses Stück so sehr vermissen, ich freue mich natürlich, wenn es wieder kommt, auch mit anderen Darstellern, aber es wurde nie wieder so werden wir mit der ,,Ur-10B“.

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